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Kunsttherapie

Bilder können mehr ausdrücken, als man in Worte fassen könnte.

Ambulante Kunsttherapie für Patienten der Psychiatrischen Institutsambulanz

Ambulante Patienten der PIA können an einer ambulanten Kunsttherapiegruppe teilnehmen (dreimal wöchentlich 90 Minuten). Zum Teil arbeiten die Teilnehmer in der Gruppe an ihren spezifischen Themen, zum Teil wird Projektarbeit (z. B. Maskenbau und -spiel, Drucken, Buchbinden) angeboten.
Der Schwerpunkt liegt sowohl auf dem Erforschen und Erweitern der eigenen kreativen Möglichkeiten, als auch auf dem Kontakt zu anderen Menschen in vergleichbaren Lebenssituationen.


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Kunsttherapie als nonverbales Verfahren

In einem Bild oder einer Gestaltung wird etwas vom Wesen des Urhebers, von seinen Gefühlen, Bedürfnissen und Erfahrungen sichtbar. Oft fällt es sogar leichter, in der Gestaltung etwas von den inneren Befindlichkeiten auszudrücken, als über diese zu sprechen. So kann bisher Ungesagtes (Wünsche, Ängste, Befürchtungen, Phantasien) ausgelebt werden und verliert seine krankmachende Wirkung. Man macht sich ein „Bild“ von sich selbst. Erstarrtes kann aufbrechen, das Verhalten wird flexibler und differenzierter. Die Bereitschaft, sich auch konfliktbehaftete Bereiche des Lebens anzueignen, entsteht.

Das Material

Die Gestaltenden sind konfrontiert mit den Eigenschaften des Materials. Es fordert sie heraus und regt an, setzt aber auch Grenzen auf der Suche nach dem, was ausgedrückt werden soll - ein manchmal schmerzlicher Prozess, weil sich das Gewohnte, Eingeschliffene im Bildnerischen wie im Leben gegen Veränderung sträubt.

Der kunsttherapeutische Prozess

Beim Gestalten tun die Patienten etwas, was sie vielleicht noch nie getan haben, stoßen auf gestalterische Schwierigkeiten, formulieren Fragen, suchen nach Lösungen. Malen ist keine Ablenkungsbeschäftigung. Ablenkungen haben keine lange Wirkung. Malen dient der Konzentration: Wer malt, muss mit dem Bild seine Gedanken ordnen, muss Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden. Wenn den Patienten das Ergebnis nicht gefällt, ändern sie es und merken: sie können es ändern.

Die Parallelität der Prozesse

Die Aufgaben, die das Leben stellt, erfordern die gleichen Tätigkeiten: Konflikte sind zu benennen, Auswege zu suchen, vielleicht wird Neuland betreten, Entscheidungen müssen gefällt werden... Beim Gestalten können diese Verhaltensweisen geübt werden, Erfolgserlebnisse ermutigen die Patienten, diese Erfahrungen auf andere Bereiche zu übertragen - sie gewinnen Sicherheit.

Freude

Trotz aller Grenzerfahrungen ist Malen zuallererst mit Freude verbunden. Man kann Kreativität als Ausdrucksmittel für sich entdecken, Gefallen an einer Form, einer Linie, einer Farbe finden.
Vielen Menschen ist diese Gestaltungsfreude am Leben verloren gegangen. Probleme, Konflikte, Schwierigkeiten sind übermächtig geworden. In der Kunsttherapie geht es nicht um Abgründe, sondern um die Freude am Erkennen.

Sowohl – als auch

Für viele Menschen ist es neu, nicht nach Richtig oder Falsch, Gut und Schlecht bewertet zu werden und sie müssen sich erst daran gewöhnen.
Innerhalb der Kunsttherapie gibt es keine solchen Normen und Bewertungen. Jede Gestaltung ist aus sich heraus gültig. Die blasse Linie hat die gleiche Berechtigung wie das farbintensive Bild, wenn sie dem inneren Zustand entspricht.
Das Künstlerische verbindet das „Entweder – oder“ zum „Sowohl – als auch“.

Das Besprechen

Im Therapieprozess geht es auch darum, die Gestaltungen gemeinsam mit andern Gruppenmitgliedern und der Kunsttherapeutin zu betrachten und miteinander zu besprechen. Bedeutend ist dabei, was der Schöpfer der Gestaltung sieht und versteht, nicht die Interpretation anderer.

„Ich kann nicht malen“

Um von der Kunsttherapie profitieren zu können, braucht man keine künstlerische Begabung mitzubringen. Wichtiger als Begabung ist beim Malen generell die Ausdauer - die gleiche Eigenschaft, die man braucht, um eine Krankheit zu überwinden.

Die verschiedenen Gruppen

Im St.-Marien-Krankenhaus wird Kunsttherapie für tagesklinische und stationäre Psychotherapie-Patienten in drei Gruppen angeboten, die wöchentlich einmal stattfinden und je 90 Minuten dauern. Dies sind die Ressourcenorientierte, die Wahrnehmungsorientierte und die Beziehungsorientierte Gruppe.

Ressourcenorientierte Kunsttherapie

Für Patienten
• die zur Krisenintervention kommen (Selbstwert-Stärkung, Ressourcenaktivierung)
• viel Angst haben oder
• bei denen es um Stützung und Erholung geht
• die nur begrenzt gruppenfähig sind
• mit vorrangig somatischem Krankheits- und Genesungsverständnis

Die Kunsttherapeutin berät bei der Wahl von Materialien und Techniken. Der Schwerpunkt der Arbeit liegt im praktischen Tun und Erleben. Eine Abschlussrunde bietet die Möglichkeit, die eigene Arbeit und die der anderen aus der Distanz zu betrachten und das Erlebte zu reflektieren.

Materialien:
Acryl- und Temperafarben, Aquarellfarben, Öl- und Pastellkreiden, Graphit, Kohle, Tusche, verschiedene Stifte, Collagenmaterialien, Ton, Speckstein und verschiedene Druckverfahren

Wahrnehmungsorientierte Kunsttherapie

Für Patienten
• die ihre Selbst- und Fremdwahrnehmung verbessern müssen
• bei denen eine Aktivierung der eigenen Handlungsfähigkeiten im Vordergrund steht
• die der Psychotherapie ambivalent bis ängstlich gegenüberstehen

Die künstlerische Technik des Gestaltens wird vorgestellt und ist festgelegt, gleichzeitig sind die Themen freigestellt. Der Schwerpunkt des Arbeitens liegt auf der sinnlichen Erfahrung. Es ist nötig, sich auf das Material als Gegenüber einzulassen, es in seinen Eigenschaften kennen zu lernen, Zufälligkeiten und Unvorhergesehenes im Arbeitsprozess zu integrieren. Experimentieren steht im Vordergrund, die Motivation für eigenes Tun kann erforscht werden. Die Vorstellung vom Ergebnis der Arbeit bildet sich schrittweise während ihres Entstehens. Die Fähigkeit, im Moment zu entscheiden und zu handeln, muss entwickelt werden. Das kann schmerzlich sein, da von vorgeformten, festen Zielvorstellungen Abschied genommen werden muss.
Durch das gemeinsame Anschauen der Arbeiten werden auch fremde Zugangsmöglichkeiten sichtbar und integrierbar. Phantasien anderer zur eigenen Gestaltung können als Bereicherung wahrgenommen und von den persönlichen Intentionen und Empfindungen unterschieden werden.

Techniken:
• Zufalls- und Drucktechniken
• Plastisches Gestalten (Ton, Speckstein, Papiermaschee)
• Kreiden
• Wasserfarben und Mischtechniken
• Farbmeditation, Farbwahrnehmungsübungen
• Collagentechniken

Beziehungsorientierte Kunsttherapie

Für Patienten
• bei denen es um Verbesserung der Beziehungsfähigkeit geht
• mit hoher Psychotherapie-Motivation

In der Beziehungsorientierten Kunsttherapiegruppe gibt es zwei Hauptbereiche:

a) Die Arbeit mit biographischen und symbolischen Themen
Hier geht es um die Beziehung zu sich selbst und das nachfolgende Sich-in-Bezug-Setzen in der Gruppe. Innere Bilder werden sichtbar, besprechbar und behandelbar.

Themen sind z. B.:
• Themen zum Hier und Jetzt (Körperbilder, Selbstbilder, momentane Befindlichkeit)
• Biographische Themen (Lebensweg, Kindheitserinnerungen)
• Symbolische Themen (Haus, Baum, Weg, Berg)
• Imaginationen, Märchen, Träume, Wünsche

b) Partner- und Gruppenarbeiten
Dialogisches Arbeiten und Gruppengestaltungen bieten Raum für nonverbale Kommunikation. Die Gestaltung ist das Abbild der Beziehung. Sie lässt Experimente zu, ermöglicht einen spielerischen Umgang miteinander und dient als Probierfeld für Ungewohntes. Beim Gestalten erfahren sich die Gruppenmitglieder in ihrer Art, Kontakt aufzunehmen und die dazugehörenden Emotionen. Beziehungsmuster, eigene Strategien und Kompromissbildungen werden erlebt und können in nachfolgenden Gesprächsrunden verstanden und in ihrer Wirkung auf andere erfahren werden.

Ateliergruppe

Für interessierte Patienten ist die Teilnahme am „Atelier“ möglich (90 Minuten wöchentlich), bei dem der Schwerpunkt auf der gestalterischen Ebene liegt.


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